Andre Daus

Wissen lässt sich nicht über Systeme transferieren

05.08.2019 | 2 Minuten Lesezeit

Der aktuelle Trend der Wissensmanagementsysteme amüsiert mich persönlich, denn ich denke nicht, dass sich Wissen über ein System transferieren lässt. Nur wer einmal in einem System Informationen gelesen hat, verfügt noch lange nicht über echtes Wissen.


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Nach einem Projekt wurde ich gebeten, all mein Wissen noch schnell in das Wissensmanagementsystem einzugeben. Ich konnte mir ein leichtes Lachen nicht verkneifen und der Projektleiter fragte mich daraufhin, warum ich jetzt lachen würde. Ich erklärte ihm, dass ich lebenslang damit beschäftigt wäre, mein Wissen ins System einzuspielen, denn während ich das tue, eigne ich mir wieder neues Wissen an. Er meinte, es ginge nur um die projektbezogenen Informationen – das sind allerdings nur Informationen und noch kein Wissen.

Was ist Wissen?

Kurz gesagt ist Wissen die Kombination aus Informationen und Erfahrungen. Mithilfe bestimmter Informationen und den Erfahrungen, die damit gemacht werden, eignet man sich Wissen an. Dieses lässt sich allerdings nicht in einen Computer eingeben oder in einem Buch niederschreiben. Das Einzige, das weitergegeben wird, ist eine Information, die jemand anderes nutzen kann. Es geht nicht darum, reine Fakten niederzuschreiben. Auch Erfahrungswerte können weitergeben werden und an bestimmten Stellen vor »Fallgruben« warnen. Wenn ich beispielsweise vom Weg geradeaus komme, kann ich weitergeben, dass links eine solche Grube lauert. Jemandem, der jetzt allerdings rechts vom Weg kommt, nützt diese Erfahrung nichts und er wird trotzdem in die Falle tappen.

Informationen sind keine Erfahrungen

Es funktioniert nicht, Wissen einfach in einen Computer einzutragen und abzurufen. Erst, wenn diese mit persönlichen Erfahrungen verknüpft werden, entsteht Wissen. Wenn Sie zum Beispiel eine Software in der Cloud haben, dann kennen Sie mit Sicherheit die sogenannten Supportseiten mit den KB (Knowledge Base) - Informationen. Also eine Wissensbasis, worauf sich der gesamte Support stützt. Jedes Mal, wenn neue Informationen hinzukommen, werden diese dort eingepflegt. Doch nur durch das Lesen wissen Sie noch lange nicht, wie etwas funktioniert. Ähnlich verhält es sich banal gesagt mit einem Hammer und einem Nagel. Sie verfügen über die Information, wie Sie den Hammer benutzen und den Nagel halten müssen, um ihn in die Wand zu schlagen. Wenn jetzt ein sehr kleiner Nagel verwendet wird und der Hammer mit viel Kraft geschwungen wird, ist die Wahrscheinlichkeit, den Daumen zu treffen sehr hoch. Durch diese Erfahrung lernen Sie, dass ein kleiner Nagel und ein großer Schwung nicht zusammenpassen. Wenn Sie diese Information aufschreiben, heißt es aber noch nicht, dass jeder unter dem Begriff „vorsichtiges und leichtes Hämmern“ das gleiche versteht. Es kann trotzdem vorkommen, dass jemand sagt „ich bin vorsichtig“ und dennoch seinen Daumen trifft.

Die Mischung macht das Wissen

Je mehr Informationen hinzugegeben werden, desto mehr kann man auf die Erfahrungen verzichten. Ein vollständiger Verzicht funktioniert jedoch nicht, denn eine Information bleibt immer nur eine Information. Das Wissen entsteht erst, wenn jemand selbst Erfahrungen gemacht und diese umgesetzt hat. Der Erwerb von Wissen ist ebenfalls immer mit einem gewissen Zeitfaktor verknüpft. Für Unternehmen heißt das: Stellen Sie die Informationen zur Verfügung, die es braucht und räumen Sie demjenigen, der die Informationen konsumiert Zeit ein, um Wissen aufzubauen. Im Idealfall stellen Sie zudem jemanden bereit, der seine Erfahrungen vermittelt und zeigt, wie es geht. Etwas selbst zu erfahren, ist immer der effektivere Weg als nur Informationen aus einem Wissensmanagementsystem zu konsumieren. 

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